Die Tatsache, daß eine fortgesetzte Reinzucht unter dem Druck der Auslese langsam aber sicher zu einer genetischen Erosion des betreffenden Zuchtstammes führt ist unumstößlich. Jeder im Bereich der Paarungskontrolle exakt arbeitende Züchter weiss um die Problematik. Auch wenn dieser Ausdruck (genetische Erosion) dem Herrn Dr. Pechhacker nicht gefällt, so umschreibt er doch sehr zutreffend den manchmal langsamen, schleichenden Zerfall eines Zuchtstammes bei fortgesetzter Reinzucht.

Wir können und dürfen uns diesem Problem daher nicht verschließen. Ein fortgesetzte Reinzucht, also eine Züchtung innerhalb einer echten geschlossenen Population, mündet notwendigerweise in einer Sackgasse. Zwar  verfügen wir mittels Reinzucht, bei entsprechender Auslese, über die Möglichkeit der Summierung, der Intensivierung der von uns erwünschten Eigenschaften. Gleichzeitig über die Möglichkeit der Ausschaltung unerwünschter Anlagen. Dies geht entsprechend der Logik allerdings immer und ohne Ausnahme auf Kosten der Eigenschaftsvielfalt. Bei Reinzucht innerhalb einer geschlossenen Population gibt es nur diesen Weg: Von der Vielfalt hin zur Verarmung.

Der Selektionserfolg im Hinblick auf die gesetzten Zuchtziele wird dabei von zwei Parametern bestimmt:

*  einmal der Selektionsschärfe

*  zum anderen der Größe der Population aus der ausgelesen wird.


Der Verlauf der zu erwartenden Inzucht wird im Wesentlichen durch die Anzahl der verwendeten Zuchtmütter per Generation, auch als Drohnenspender bestimmt. In einer kleinen natürlichen Population von z.B. 300 Völkern sind dies immerhin 300 Königinnen. Jedes Volk ist in der Regel sein eigenes Zuchtvolk! Bei einer wahrlich nicht sehr hohen Selektionsschärfe von 1: 10 sind dies nur noch 30 Königinnen. Hinzu kommt, dass diese 30 womöglich nach den gleichen Kriterien azsgewählt wurden!

Unabhängig von der Wahl der Rasse oder des Zuchtstammes muß sich ein Reinzüchter folglich stets in irgend einer Form eine Möglichkeit ausdenken dem Druck der Inzucht entgegenzuwirken. In der Regel geschieht dies durch regelmäßiges Öffnen der geschlossenen Population für neues Material. Innerhalb der gleichen Zuchtrasse muß man allerdings bedenken, daß das Zusammenführen von zwei geschädigten Inzuchtstämmen in der Regel zu keiner wesentlichen Anreicherung führen kann, bestenfalls zu einem flüchtigen Auf bäumen durch einen gesteigerten Heterosiseffekt.

Viele auf dieser Basis entwickelte Zuchtprogramme sind durch das Übersehen dieser



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Der dynamische Zuchtweg

Paul Jungels

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